Kümmere dich nur um heute

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Letzter Donnerstag war einer dieser Tage an denen ich glaubte, dass ich es nicht schaffe. Im Wartezimmer des Krankenhauses sitzend, auf meinen vierteljährlichen Kontrolltermin wartend, den ganzen Tag nicht arbeiten könnend, wieder einmal, kam ich zu dem Entschluss, dass ich einen meiner Jobs aufgeben muss. Ich kann nicht Autor, Psychologe und Public Speaker sein. Eines muss ich aufgeben, aber welches?

Ich brauchte nicht lange, um eine Entscheidung zu treffen. Schreiben ist mein Leben. Ich kann nicht ohne. Selbst wenn ich nie viel Geld mit meinem Schreiben verdienen würde, nie wieder ein Buch von mir veröffentlicht werden würde und ich meine Freunde dazu zwingen müsste, meine geschriebenen Seiten zu lesen, ich würde dennoch schreiben. Schreiben kann ich nicht aufgeben, ganz einfach.

Psychologie kann ich ebenfalls nicht aufgeben. Ich habe fünfzehn Monate dafür gekämpft, hier in den USA eine Lizenz zu bekommen. Ich habe einen Master in Psychologie, was weit länger gedauert hat als fünfzehn Monate und ich habe immer gewusst, dass ich anderen Menschen helfen möchte. Das aufgeben? Ebenfalls nicht möglich.

Da sind wir nun, nur noch eine Aktivität übrig, Public Speaking. Für alle die es nicht wissen, Public Speaking erfordert viel Marketing. Tausend Leute anrufen. Das Internet nach Events absuchen, auf denen man sprechen könnte. Bewerbungen schreiben. Reden schreiben. Bildmaterial vorbereiten. Und das Beste ist, man bekommt zu Anfang kein Geld dafür. Es ist nicht so, dass man seinen ersten Vortrag hält und dann mit einem Scheck in der Hand nach Hause geht. Man muss viele, viele Reden halten, bevor man dafür entlohnt wird. Als ich das Krankenhaus am Donnerstag endlich verließ hatte ich meine Entscheidung getroffen. Ich bin Autor, ich bin Psychologin, Ende. Ich war nicht glücklich über diese Entscheidung, nicht sicher, ob es die richtige ist, aber notwendig.

Später am Abend erzählte ich meinem Mann von meiner Entscheidung. Warum ich nicht alles machen kann. Warum ich Public Speaking aufgeben muss. Im Gegenzug erinnerte er mich daran, warum ich mit allen dreien angefangen hatte. Warum ich überhaupt an alle drei geglaubt hatte. Schreiben, ich habe es schon erwähnt, ist meine Leidenschaft. Und wenn etwas deine Leidenschaft ist, wenn du dir für diesen Traum den Hintern abarbeiten würdest, es selbst dann noch machen würdest, wenn du niemals einen Pfennig im Austausch erhalten würdest, ist es genau der Bereich in deinem Leben, mit dem du den größten Erfolg haben wirst.

Psychology ist mein Job. Ich bin dafür zur Uni gegangen. Ich bin gut darin. Ich liebe es, anderen zu helfen und ich liebe es, einen Unterschied im Leben anderer Menschen zu machen.

Und Public Speaking, erinnerte er mich, ist der Bereich, in dem alles ineinandergreift. Ich spreche zu Autoren, erzähle ihnen wie man Selbstzweifel überwinden kann, etwas, mit dem jeder Schriftsteller zu kämpfen hat. Public Speaking verbindet mich mit anderen Autoren, mit meinen Leuten. Ich spreche über patient-centered care. Wie der Patient in die Entscheidungen, die seine Gesundheit betreffen, mit einbezogen werden sollte. Denn als Psychologin und aus eigener Erfahrung weiß ich wie wichtig es ist, den Patienten mitentscheiden zu lassen, zu informieren. Nur wenn ich als Patient verstehe, warum ich Medikament X einnehme, Untersuchung Y bekomme oder jeden Monat gepikst werde, arbeite ich mit.

Drei Aktivitäten, drei Säulen, ein Traum = Das zu machen was ich liebe. Schreiben, Zuhören, Sprechen. Manchmal ist es gut, jemanden an seiner Seite zu haben der einen an sein Warum erinnert. Jemanden, der einen daran erinnert, dass man sich nur um heute kümmern muss und ansonsten seinen Träumen folgen sollte, denn die kennen den Weg.

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